SO GEHT FAIR FASHION

In diesem Guide zeige ich euch anwendungsfreundliche Tipps für einen nachhaltigeren Modekonsum, hilfreiche Informationsquellen zu Entwicklungen in der Modeindustrie und allgemeine Merkmale, anhand derer ihr Greenwashing erkennen könnt.

QUICK LINKS

Konsum hinterfragen
Trends vs Capsule Wardrobe
Online-Ressourcen nutzen
Richtige Größe bestellen
Materialkunde
Kollektionen pro Jahr
Preisstruktur und -transparenz
Siegel und Zertifikate
Greenwashing Buzzwords
Dialog mit Brands
7 Rs of Fashion

Konsum hinterfragen

Wenn wir über Fair Fashion sprechen wollen, dann müssen wir zuerst unseren Modekonsum im Allgemeinen reflektieren. Brauchen wir wirklich so viele und ständig neue Kleidungsstücke? Ziehen wir eigentlich alle Teile an, die wir besitzen? Können wir es uns überhaupt leisten, so viel zu shoppen wie wir es gerade tun?

Zu dem „fair“ in „Fair Fashion“ gehört auch, die Menschen entlang der Wertschöpfungskette unserer Kleidung nicht weiter mit der momentan vorherrschenden überproportionalen westlichen Nachfrage zu überfordern und auszubeuten. Das „fair“ steht für einen Konsum, der im Rahmen des Nötigen und Vertretbaren bleibt, der die Umwelt schont und der ein Statement setzen soll – für einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Fair Fashion bedeutet nicht, weiter wie bisher nur in grün.

Trends vs Capsule Wardrobe

Verantwortungsvoller Konsum. Das ist in Form von Fast Fashion und Trends nicht wirklich umsetzbar. Wie Mode aber trotzdem noch Spaß machen kann, ist am Beispiel einer Capsule Wardrobe gut erkennbar. Eine Capsule Wardrobe ist eine kleine, bewusst ausgewählte Garderobe, deren einzelne Kleidungsstücke beliebig miteinander kombiniert werden und zu vielen verschiedenen Anlässen getragen werden können.

Sinn und Zweck dahinter, ist folgender: Wenn ich genau weiß, was mir steht und worin ich mich wohlfühle, dann fällt es mir zum einen morgens viel leichter, mich für ein Outfit zu entscheiden und zum anderen habe ich dadurch nicht mehr das Bedürfnis, ständig neue Kleidung kaufen zu müssen. Eine Capsule Wardrobe für den eigenen individuellen Stil zu etablieren, hat viele Vorteile und ist nicht zuletzt auch gut für die Umwelt.

Online-Ressourcen nutzen

Das Internet bietet einige tolle und seriöse Informationsquellen, bei denen ihr beispielsweise verschiedene Marken miteinander vergleichen und deren Ranking in Bezug auf Nachhaltigkeit und Ethik einsehen könnt. Darüber hinaus berichten die folgend genannten Online-Magazine über die neusten Entwicklungen in der Mode- und Textilbranche und erklären, auf welche Parameter es bei Fair Fashion eigentlich ankommt. Die besten Dokumentationen zur Thematik sind ebenfalls hier verlinkt.

good on you
Fashion Checker
Remake

Fashion Revolution Germany
Fashion Changers
Fashion Transparency Index 2020
Attire Media

The True Cost
Rana Plaza Collapse Documentary
RiverBlue
Gift auf unserer Haut

Auch auf Instagram wird das Thema Fair Fashion vielfältig behandelt. Von Einblicken hinter die Kulissen der Modebranche, über Anregungen und Tipps für einen nachhaltigeren Kleiderschrank, bis hin zur Möglichkeit, sich in einer Fair Fashion Community miteinander zu vernetzen, hat das Soziale Netzwerk einiges zu bieten. Weitere Infos darüber, wie das Thema Fair Fashion auf Instagram behandelt wird, lest ihr hier.

Richtige Größe bestellen

Es klingt banal, aber wer Kleidung online shoppt, sollte unbedingt darauf achten, die richtige Größe zu bestellen, um Retouren zu vermeiden. Fair Fashion Labels und mittlerweile auch einige Fast Fashion Brands geben in ihren Onlineshops Größentabellen für die jeweiligen Artikel an. Also vor der Bestellung nochmal auf Nummer sicher gehen und die gewählte Größe mit dem Maßband überprüfen.

Ich habe mich bei der Recherche für diesen Guide auch mit retournierten Onlinebestellungen beschäftigt und möchte ein paar meiner Aha-Momente mit euch teilen:

  • Laut Gesetz steht KäuferInnen beim Onlineshopping ein Widerrufsrecht von 14 Tagen zu, hierbei kann reguläre Ware ohne Angabe von Gründen zurückgegeben werden → weniger Hemmungen Ware zu retournieren, aber viele Fahrtwege und viel Verpackungsmüll
  • Im Jahr 2019, fielen knapp 30% aller Online-Retouren in den Bereich Bekleidung und Schuhe – fast 60% davon aufgrund falsch bestellter Größe
  • Jede sechste Internet-Bestellung in Deutschland wird zurückgeschickt
  • Wenn Ware retourniert wird verliert sie an Wert, das Sichten und Neuverpacken der Ware ist meistens zu arbeitsintensiv und deckt sich nicht mit dem Verkaufspreis → vor allem Fast Fashion Kleidung landet oft ungetragen im Müll

Materialkunde

Kleidung kann aus vielen verschiedenen Materialien hergestellt werden. Diese haben unterschiedliche Eigenschaften und Funktionen – je nachdem, welches Kleidungsstück später einmal aus ihnen werden soll. Auch was die Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit angeht, weisen die Textilien große Unterschiede auf. Ganz allgemein kann jedoch zwischen Naturfasern wie Baumwolle, Schurwolle oder Leinen und Chemiefasern wie Polyester, Elasthan oder Polyamid unterschieden werden.

Wer sich mehr mit nachhaltiger Mode und Fair Fashion auseinandersetzen möchte, sollte sich vor dem Kleiderkauf folgende Fragen stellen:

  • Aus welchen Materialien besteht das Kleidungsstück?
  • Welche Vor- und Nachteile haben die enthaltenen Materialien?
  • Wurden verschiedene Faserarten miteinander vermischt?
  • Wenn ja, welche ökologischen Konsequenzen zieht dies mit sich?
  • Ist das Kleidungsstück recycelt und auch recycelbar?

Kollektionen pro Jahr

In meiner Podcastfolge zum Thema Fast Fashion vs Fair Fashion habe ich bereits darüber geredet, wie viele einzelne Arbeitsschritte und auch Menschen am Prozess beteiligt sind, ein einziges T-Shirt zu produzieren. Während Fair Fashion Labels im Jahr zwischen einer und vier Kollektionen produzieren, wirkt es umso absurder, dass Fast Fashion Konzerne wie Zara im Jahr bis zu 24 Trend-Kollektionen auf den Markt bringen.

In einem sehr gut aufbereiteten Artikel der Textilingenieurin Franziska Uhl, erklärt sie, wie Kollektionszyklen in der Modeindustrie funktionieren und vergleicht dabei Unternehmen im Premiumsegment mit Fast-Fashion-Unternehmen. Zu dem Artikel geht es hier entlang.

Preisstruktur und -transparenz

Fast Fashion ist der Grund, wieso wir Mode mit so günstigen Preisen in Verbindung bringen. Dabei bezahlen die Menschen entlang der Wertschöpfungskette den wahren Preis dafür. Stichwort: Ausbeutung, Löhne unter dem Existenzminimum und Kinderarbeit. Der Klimawandel ist dabei übrigens als ‚hidden cost‘ der Modeindustrie zu verstehen – und diesen Preis müssen wir letztendlich alle bezahlen …

Eines vorweg, Konversationen über Fair Fashion sind ein Privileg. Aber wer sich einfach so fünf bis zehn neue Fast Fashion Teile zulegen kann, der kann sich auch Fair Fashion leisten. Es geht nämlich darum, bewusster und vor allem weniger zu kaufen. Fair Fashion bedeutet, kleine und unabhängige Unternehmen zu unterstützen, ArbeiterInnen einen Mindestlohn zu ermöglichen, nachhaltige und schadstofffreie Materialien zu wählen und in Research und Innovation zu investieren. Zwei tolle Beispiele für Fair Fashion Labels, die ihre Preisgestaltung ganz transparent kommunizieren sind dariadéh und The Slow Label.

Siegel und Zertifikate

Anhand von Siegeln und Zertifikaten wollen Modelabels belegen, wie nachhaltig sie sind. Doch wenn ihr nach wirklich fairer Kleidung sucht, solltet ihr diesen Auszeichnungen erstmal kritisch gegenüber stehen. Nicht selten kommt es vor, dass sich die Unternehmen die Siegel und Zertifikate selbst ausstellen, was wiederum bedeutet, dass sie die Standards nach eigenem Ermessen festlegen und demnach auch auditieren. Genau hier liegt das Problem, denn ein Modekonzern wie beispielsweise Zara wird wohl kaum zugeben in welchen Bereichen dringend Verbesserungsbedarf besteht, wenn dies zusätzlichen Aufwand und Kosten für das Unternehmen mit sich bringt. Auch etabliertere Siegel wie der Global Organic Textile Standard (GOTS) können variierende nationale Standards haben. Ein Aspekt wäre zum Beispiel die Definition von existenzsichernden Löhnen in Bangladesch im Vergleich zu Deutschland.

Ihr seht, die Debatte um Siegel und Zertifikate im Textil-Bereich ist noch nicht ausdiskutiert. Einen guten Überblick zu den bereits vorhandenen Umwelt- und Sozialsiegeln in Deutschland findet ihr hier.

Greenwashing Buzzwords

Den Klimawandel aufzuhalten oder zumindest zu verlangsamen, sollte mittlerweile in allen Lebensbereichen zu unseren Hauptzielen gehören. Nachhaltigkeit ist glücklicherweise oder unglücklicherweise – je nachdem, wie man es sieht – ein Trend geworden. Auch im Marketingbereich von Modelabels findet dieses Thema immer wieder Anklang.

Nun ist es ja erstmal toll, wenn sich die Modebranche dem umweltfreundlichen Handeln und Wirtschaften verschrieben hat, doch bei Claims und Versprechen wie den oben genannten Begriffen, solltet ihr immer zwei mal hinsehen und genauer recherchieren, ob die Unternehmen auch wirklich so fair und nachhaltig sind, wie sie es vorgeben zu sein. Ein gutes Tool dafür sind die Verzeichnisse von good on you, Fashion Checker und Remake. Was Greenwashing konkret bedeutet und wo es uns im Alltag begegnen kann, seht ihr in diesem Video.

Dialog mit Brands

Seit es das Internet und insbesondere Social Media gibt, ist es für KundInnen relativ unkompliziert möglich, in direkten Kontakt mit Modelabels zu treten – zumindest in der Theorie. Denn auch dies ist ein Indikator dafür, wie wichtig einem Unternehmen Transparenz und Austausch sind.

Wenn ihr also mehr über die Lieferkette oder die Materialbeschaffung eines Kleidungsstücks wissen wollt, fragt nach! Gibt es AnsprechpartnerInnen für euer Anliegen? Wird euch eine zufriedenstellende Antwort geliefert? Nutzt alle vorhandenen Kanäle und fordert Informationen ein.

7 Rs of Fashion

Die Non-Profit-Organisation Fashion Takes Action hat über die bekannten drei Möglichkeiten „Reduce, Reuse, Recycle“ hinaus noch weitere Wege zusammengetragen, wie jede und jeder einzelne von uns den eigenen ökologischen (Mode-)Fußabdruck verringern kann: die 7 Rs of Fashion.

Wie ihr seht, es gibt einige Bereiche und vielfältige Herangehensweisen, sich mehr mit dem Thema Fair Fashion und allgemeinen Konsumfragen auseinanderzusetzen. Wir alle fangen an unterschiedlichen Stellen im Prozess zu mehr Nachhaltigkeit an und sollten unsere Fotschritte deswegen nicht miteinander vergleichen, sondern stolz auf jede einzelne nachhaltige Entscheidung sein und immer weiter machen.

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